4. Bad Homburger Herbstsalon 2011 
Biennale des Kunstvereins

4. Bad Homburger Herbstsalon 2011 
Biennale des Kunstvereins

Zum 4. Male laden Kunstschaffende des Kunstvereins Bad Homburg Artlantis andere Künstler ein, deren Arbeiten ihnen nahe sind, sich am biennalen Herbstsalon zu beteiligen. Mit unterschiedlichsten Arbeiten aus den Bereichen Grafik, Fotografie, Malerei, Objektkunst und Keramik ist eine hochkarätige Ausstellung realisiert, die einen weit gefächerten Einblick in die Schaffensweisen zeitgenössischer Kunst vermittelt.

Zur Eröffnung verleiht Landrat Ulrich Krebs einem Teilnehmer der mit 1.500 Euro dotierten Kunstpreis der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung, Stiftung für Kunst und Kultur im Hochtaunuskreises,juriert von Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann, Dr. Ursula Grzechca-Mohr (Museum Gotisches Haus) und Esther Walldorf, M.A.

Teilnehmer

Petra Abroso, Darmstadt
Ursula Commandeur, Castrop-Rauxel
Antje Dienstbir, Wiesbaden
Lenah Ernst-Jacobson, Magden (CH)
Antje Fuss, Bonn
Eckhard Gehrmann, Friedrichsdorf
Sieglinde Ludes, Mainz
Huiza Müller-Lim, Bad Homburg
Prof. Andreas Reichel, Bonn
Marianne Roetzel, Köln
Kai Savelsberg, Monschau
Nico Wallfarth, Frankfurt
King Kong Kunstkabinett (Walter Amann, Wolfgang Schikora, Ulrich Zierold)

Kunstpreis Jury

Prof. Dr. Jean Christophe-Ammann
Dr. Ursula Grzechca-Mohr (Museum Gotisches Haus)
Esther Walldorf, M.A.

Kunstpreis-Gewinner: Kai Savelsberg

Kai Savelsberg wurde 1975 in Aachen geboren. Nach dem Fachabitur für Gestaltung absolvierte er eine Ausbildungals Theatermaler. Seit 1997 ist Kai Savelsberg als freischaffender Künstler tätig, er lebt und arbeitet in Monschau.

Seine großformatigen Gemälde „Schwere Schwerelosigkeit“ und „Chor der Eitelkeiten“ zeigen einzelne Figuren in überraschenden Bewegungen und Haltungen. „Chor der Eitelkeiten“ zeigt im Zentrum eine jungeFrau. Hockend bewegt sie sich mit einer Seitwärtsbewegung ihres Oberkörpers im Raum. Wie hier imZusammenspiel aus den plastisch ausgearbeiteten Körperpartien und einer weißen Fläche ein Kleid und soein sich im Raum bewegenden Körper entsteht, wird in der malerischen Bewältigung dieses Motivs überzeugendvorgetragen. Mit geschlossenen Augen richtet die junge Frau ihren Blick nach Innen. Die schemenhaftenFiguren, die sie umgeben, erscheinen wie eine bevölkerte, sie stets begleitende Innenwelt. Dieser sich ausgesetztfühlend, umgreift sie in einer Art der Selbstvergewisserung ihr Haar. Es ist aber noch mehr, es ist aucheine Geste der Selbstverliebtheit, mit der die junge Frau dem „Chor der Eitelkeiten“ antwortet. Sich in einem Zwischenbereich der Lebensstufen befindend, drückt sich in ihrer ganzen Haltung und Bewegung die innere, emotionale Suche nach Balance und Stabilität aus.

Auch mit „Schwere Schwerelosigkeit“ stellte der Künstler einen poetischen Titel und damit Möglichkeiten der Interpretation seinem in der Deutung offenen Bild gegenüber. Aus den Schatten menschlicher Figuren im Hintergrund,den Beispielen männlicher Rollen und Biografien, löst sich die statuarische Figur eines jüngerenMannes heraus. Den Blick nach Innen gerichtet, neigt er seinen ganzen Körper zur Seite, um mit der Aufgabeder Stabilität und des Gleichgewichts sich der Hand einer weiblichen Figur anzuvertrauen. Seine in einer Diagonaleverharrende Figur beschreibt eine Bewegung und Haltung jenseits unserer Alltagserfahrung. Es entstehen Bilder des Tragens und Lastens, der Sehnsucht und des Vertrauens, aber auch der Suche nach Näheund der Distanz. Mit der Aufgabe des einstigen Gleichgewichts hat die Figur eine neue Balance gefunden undneue Aspekte männlicher Identität entwickelt. Kai Savelsberg übersetzt in seinen Bildern innere, emotionaleZustände und ihre Spannungen in die Einzelfigur, in ihre Haltung und Bewegung. Gleichzeitig sind seine Szenerien in ihrer monochromen Farbigkeit von einer großen Stille erfüllt.

Kai Savelsberg spiegelt in seinem Werk Gedanken seiner Generation wider, indem er Individuen im Kontext ihrer inneren Bilder oder der äußeren, schemenhaft dargestellten Umwelt zeigt. Das Heraustreten aus diesen Erwartungshaltungen anderer, die wir innerlich und schemenhaft mit uns tragen – aber auch aus der Masseoder Gruppe – führt zur Vereinzelung der Personen, die sich auf eine innere Stimme verlassen muss. Es sind dies Prozesse der Selbstfindung und des Rollenbruchs, die seine Figuren in großen Räumen wirken und ineinen Dialog mit dem Betrachter treten lassen.

Seine beiden Bilder „Chor der Eitelkeiten“ und „Schwere Schwerelosigkeit“ überzeugten die Juroren in der Wahl des jeweiligen Themas und der Umsetzung, seiner malerischen Technik und der Wahl des Formats in Bezug auf das dargestellte Thema. Die Bilder von Kai Savelsberg offenbaren eine durch die Malerei gelebte und empfundene Sensibilität, die den Menschen ins Zentrum rückt.