August Scheufler

eingeladen von Marina Sinjeokov-Andriewsky

1951 geboren in Frankfurt am Main 1974-80 Kunst- und Musikpädagogik, J.W.-Goethe-Universität und Referendariat, Frankfurt, 2 Staatsexamina 1983-85 Kunst, Städelschule Frankfurt (Malerei bei Johannes Geiger) 1990-91 Schauspiel (bei Parvis Barid), Frankfurt 1999-02 Germanistik, J.W.-Goethe-Universität, Frankfurt 1995-98 Ausbildung zum Krankenpfleger, Städt. Kliniken Höchst 2001-02 Musik- und Kunstlehrer  an der Weingartenschule in Kriftel, Krankenpfleger in der psychiatrischen Abteilung der Städtischen Kliniken Höchst seit 1976 Musiker in verschiedenen Formationen, Kompolominist

Ich beschäftigte mich mit auch großformatiger Malerei, Skulptur, Objekt- und Lichtkästen, Materialexperimenten, bevor ich mich in den letzten 10 Jahren vorwiegend der abstrakten Grafik zuwandte. Ich entwickelte dabei eine Technik, die ich „Ausradierung“ nannte.

Wenn ich beginne, habe ich selten eine konkrete Vorstellung von Form oder Komposition, sondern eher eine von Farbe, Struktur oder von einer Emotion, der ich Ausdruck verleihen will. Ich schaffe zunächst Bedingungen, ein Palimpsest, aus denen das Bild hervorgeht. Krakelüren mit hartem Bleistift mit frei flotierender Hand führen zu zufälligen Formen und Strukturen. Ähnlich verfahre ich mit weicheren Blei- und Buntstiften. Ausgesuchte Flächen werden mit Ölpastellfarben angelegt. Eine erste Komposition ist erkennbar.

Nun bearbeite ich die Oberfläche mit einem mittelharten Radiergummi, der, abhängig vom ausgeübten Druck, die Linien mehr oder weniger ausradiert oder auch, besonders die Ölpastellfarben, verwischt und vermischt. Die Krakelüren werden teilweise überdeckt, manchmal bleiben Reliefs der Linien stehen. Es entstehen malerische Effekte, Schatten, Räumlichkeit und Bewegung.

Es folgt die Ausarbeitung des bis dahin eher zufällig Entstandenen. Meistens mit einem weichen Bleistift werden neu entstandene Formen durch Schattierungen räumlich hervorgehoben. Auch farblich werden neue Entscheidungen getroffen durch Überzeichnung und Mischung, in Analogie zur Malerei ein Spiel mit den verschiedenen Abstufungen der Deckkraft der Farben und Stifte. Oft sind Teile entstanden, die Gegenständliches, Körperliches, Pflanzliches assoziieren lassen. Das kann ggf. herausgearbeitet und verstärkt werden.

Für mich ist jedes Bild der Versuch, die Komplexität von Welt abzubilden, indem ich Parameter wie  Größe, Struktur, Form, Stofflichkeit, Räumlichkeit, Farbe, Temperatur, Schärfe, Helligkeit, Intensität miteinander verschränke. 2017 unternahm ich Versuche mit Blattgold. Es ging mir dabei weniger um eine Veredelung (wie bei Ikonen) als um den Versuch, das absolut flache Material (keine Abstufung und Schattierung möglich) zu integrieren in meine Technik. Ähnliche Probleme ergaben sich bei der Arbeit mit Neonfarben (seit 2018). Sie sind ähnlich flach, lassen sich nicht mischen oder abstufen ohne Verlust des Effektes. Außerdem assoziieren sie etwas Kaltes und Technisches, stehen „in Feindschaft“ zu den übrigen Farben und wollen sich nicht integrieren, eröffnen vielleicht einen neuen Raum, eine neue Dimension, die sich weder in die Fläche noch in den Raum ausbreitet.

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