2. Bad Homburger Herbstsalon 2007 
Biennale des Kunstvereins

2. Bad Homburger Herbstsalon 2007 
Biennale des Kunstvereins

2005 veranstaltete der Kunstverein Bad Homburg auf Anregung seines inzwischen verstorbenen Mitgliedes Karl J. Höffler den 1. Bad Homburger Herbstssalon. Hierzu sind dem Verein zugehörige Künstlerinnen und Künstler alle zwei Jahre aufgefordert, Kollegen oder Kolleginnen zu benennen, deren Schaffen sie für wichtig halten. Damit wird die Vielfalt künstlerischen Denkens innerhalb des Vereins reflektiert und in einer Ausstellung gebündelt, die einen facettenreichen und aussagekräftigen Einblick erlaubt in zeitgenössische moderne Kunst mit Kunstschaffenden aus mehreren Ländern.

Zum 2. Bad Homburger Herbstsalon zeigen 15 regionale und internationale Künstler ihre Arbeiten, von Skulpturen, veränderbaren Objekten, Malerei, Zeichnungen bis zu Material – Assemblagen.

Teilnehmer

Günther Berlejung, Fußgönheim
Manfred Binzer, Mannheim
Sybille Dömel, Eppstein
Petra Dutiné, Hilgenroth
Karolina Eriksson, Gustavsberg, Schweden
Michiel Janssen, Tiburg, Niederlande
Harald Jegodzienski, Turkalne, Lettland
Rüdiger Lauer, Lure, Frankreich
Angelika Prinz, Frankfurt
Wolfram Renger, Neustadt-Haardt
Martina Schoder, Niederdorfelden
Ewa Stefanski, Frankfurt am Main
Manfred Unterweger, Stuttgart
Katja Wunderling, Nürnberg
Lyon Zabriskie, Kasbach-Ohlenberg

Kunstpreis Jury

Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann
Christian Scheffel (Galerie Scheffel Bad Homburg)
Dr. Silke Kneer M.A. (Bad Homburg)
Esther Walldorf M.A. (Bad Homburg)

Kunstpreis-Gewinner: Martina Schoder

Bei der Bewertung von zeitgenössischer Kunst – dies sei noch vorausgeschickt – gehen kunsthistorischer Erfahrungsschatz und Wissen sowie ein Bauchgefühl immer Hand in Hand. Als wir nach Worten, Begriffen und Kategorien zur präzisen Beschreibung unserer Wahrnehmungen und vor allem zum Begreifen und Verstehen der prämierten Arbeiten suchten, fiel ein Satz von entwaffnender Einfachheit und auch leisem Witz. Sinngemäß lautet er: „Jeder sollte eigentlich solche Objekte bei sich zu Hause haben, um diese täglich zu begreifen, um diese täglich zu erleben.“

Martina Schoder zeigt eine Installation mit Objekten aus gebranntem Ton. Uns als Betrachter erscheinen diese Objekte zunächst durch ihre Formgebung sehr vertraut, man meint Bekanntes, vertraute Dinge zu sehen und Nähe stellt sich ein. Bei einem zweiten Blick erscheinen ihre Skulpturen, die aus Ringe zu Ketten und Kettenkörpern zusammengefügt sind, jedoch verschlüsselt, denn die Bestimmung, die Funktion dieser Objekte kann nicht erschlossen werden. Bei den beiden aus Terrakotta gearbeiteten Objekten meint man vertraute Naturformen zu entdecken. Im nächsten Moment fühlt man sich jedoch an archaische durch Menschhand geformte Gegenstände erinnert. Ein weiteres Wechselspiel entsteht durch die Perforation der Keramikkörper. Material und Innenraum, Licht und Schatten bestimmen diese Objekte.

Die aus Ketten zusammengefügten Skulpturen bestehen aus zahllose, in sich stabile Ringen aus Ton, die sich zu beweglichen, ja labilen Kettenskulpturen verbinden. Die Möglichkeit zur Veränderung und des Gebrauchs tragen diese Skulpturen in sich: Erst durch die Hängung oder Platzierung erhalten sie eine räumliche Gestalt, die durch Eingriffe immer wieder neu geordnet und definiert werden kann.

Durch diese Wandlungsmöglichkeiten können diese Skulpturen in Bezug zu ihrer Umgebung gesetzt werden. Martina Schoders Skulpturen haben einen menschlichen Maßstab, sie können leicht in die Hand genommen oder mit beiden Händen getragen werden. Über das Sehen hinaus ergeben sich weitere Arten der Annäherungen: In dem Betasten, in der Berührung der Skulpturen, ihrer Formen und Oberflächen, gewinnen diese eine haptische Präsenz. Berührt, ja greift man zum Beispiel in die an die Wand gehängten Kettenskulpturen hinein, so entwickeln sich die einzelnen, spröde anmutenden Ringe im Verbund zu einem Objekt von unerwarteter Geschmeidigkeit.

Finger und Hände werden von dem Kettenkörper wiederum berührt, es entsteht ein Dialog. Begleitet wird dieses Begreifen der Skulptur von einer akustischen Wahrnehmung: ein leises Klirren wird hörbar, wenn sich die einzelnen Ringe verschieben und berühren und erinnern an die Härte und gleichzeitig große Zerbrechlichkeit des Tons, aus dem diese Skulpturen geschaffen sind. „Die Arbeiten zeigen ein sprödes Geschmeide, das im Gebrauch, im Vorgang des Begreifens Leben gewinnt und dessen Berührung vielfältig an sinnliche Lust gemahnt.“